27. Mai 2019

 

Zum Abschied von Andreas Rosch als Trainer des HSC Schweich gab es auf Transparenten viele Dankesworte. Der Spruch auf dem Foto unten wurde mit einem Augenzwinkern verfasst

 

Im regionalen Handball gibt es gleich mehrere Brandherde. Andreas Rosch, Urgestein beim HSC Schweich, gibt Denkanstöße für eine bessere Zukunft.

 

Von Mirko Blahak

 

 

Er weiß, wovon er spricht. 19 Jahre lang war er Trainer der ersten Herren-Mannschaft des HSC Schweich, die er von der Landesliga in die Rheinlandliga führte. Mehr als 500 Spiele mit dem HSC liegen hinter dem ehemaligen Bankkaufmann, der zum Ende der aktuellen Saison seinen Abschied verkündet hat.

 

Dabei sind die Probleme vielschichtig. „Im Jugendbereich machen viele Vereine sehr gute Arbeit“, sagt Rosch. Der Zulauf ist da, manche Clubs haben sogar keine Möglichkeit, alle interessierten Kinder aufzunehmen. Doch später kommt der Bruch. „Vor allem zwischen der C- und der B-Jugend gehen unheimlich viele Spieler dem Handball verloren“, sagt Rosch. Eine zweite Abschiedswelle gibt es beim Übergang vom Jugend- in den Seniorenbereich. Eine weitere Schwierigkeit in der Region Trier aus Sicht von Rosch: „Jugendliche, die richtig Talent haben, werden teilweise erfolgreich von Vereinen aus dem Koblenzer Raum umworben.“

       

Zudem kritisiert Rosch die Mentalität mancher Akteure: „Mit den Jahren ist es immer schwieriger geworden, als Trainer zu arbeiten, da sich die Einstellung der Spieler über die Jahre doch deutlich verändert hat. Hatte man vor 15 Jahren noch einen Kader von 13 Mann, von denen dann elf bei jedem Spiel anwesend waren, so hat man heutzutage bei einem Kader von 20 Mann am Ende der Saison drei Spieler, die jede Partie bestritten haben.

Was tun? Ein Schlüssel für Rosch ist die flächendeckendere Besetzung der Jugendtrainer-Posten „mit richtig guten Leuten“. Er würde sich wünschen, dass viel mehr Spieler nach ihrer aktiven Zeit dem Handball und ihren Ex-Vereinen als Coaches etwas zurückgeben. „Als guter Trainer kann man auch in der Region Trier Geld verdienen“, ist sich das HSC-Urgestein sicher. 

Was er fordert, will Rosch selbst mit Leben füllen. Nach dem Ende seiner Trainerkarriere will Rosch stärker als bisher als Schiedsrichter unterwegs sein.

Zehn bis 15 Einsätze in der nächsten Saison in den Spielklassen bis hoch zur Verbandsliga kann er sich vorstellen. Gleichzeitig will er sich in die Nachwuchsförderung bei den Unparteiischen einbringen: „Zu viele Schiedsrichter gehen verloren, weil sie teilweise wie Freiwild behandelt werden. Der Respekt auf dem Feld ist nicht mehr so gegeben wie vor 20 Jahren.“ Roschs Ankündigung klingt wie ein kleines Bewerbungsschreiben: „Vielleicht kann ich meine jahrelange Erfahrung als Trainer und Schiedsrichter auch im Verband irgendwie einbringen, um das große Problem des Schiedsrichtermangels zu verbessern.“