Ein Blick in die deutsche Handballgeschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahlreiche internationale Erfolge der deutschen Handball-Nationalmannschaft, wie der Weltmeistertitel in 2007 oder der Europameistertitel in 2016, machte Handball nach Fußball zur zweitbeliebteste Sportart in Deutschland. Auch auf der institutionellen Ebene ist er eine der bestorganisierten Sportarten. Der Deutsche Handballbund, als der größte Handballverband der Welt, versammelt hunderttausende Mitglieder und etwa 22 000 Mannschaften unter einem Dach und koordiniert nicht nur die Liga auf der Bundesebene, sondern auch die Landesliga. Die Beliebtheit und die erfolgreiche Organisation des Handballs auf deutschem Boden ist jedoch kein Zufall. Handball hat seinen Ursprung in Deutschland. 1915 rief der Turnwart Max Heiser in Berlin den „Torball“ ins Leben und legte damit den Grundstein des heutigen Hallensports, welcher von dort aus Europa erobern sollte.

 

Wie alles begann

Man schätzt, dass Ballspiele genauso alt sind wie die Menschheitsgeschichte selbst, wobei man die ersten sicheren Nachweise in der Antike findet. Im Laufe der Zeit wurden neue Gegenstände, wie Netze oder Körbe, sowie spezielle Regellungen hinzugefügt. Somit entstanden langsam die populären Ballsportarten von heute wie Rugby oder Fußball. Letzterer genoss zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine große Popularität. Die Fußballclubs schossen wie Pilze aus dem Boden. Man legte bereits die ersten Grundbausteine für die FIFA Weltmeisterschaft. Seither sorgt die Lieblingsveranstaltung der Sportswelt mit unvergesslichen Momenten und Ergebnissen  wie der Sieg von Nord Korea gegen die Italienischen Superstars in 1966, für Begeisterungsstürme.

Der Hype um den Fußball inspirierte den Berliner Turnwart Max Heiser. Da Fußball von Männern dominiert wurde, wollte er eine körperliche Ertüchtigungsmethode für Frauen kreieren, die weniger körperbetont war und mit weiter Kleidung gespielt werden konnte. So wurde der „Torball“, als der Vorläufer des Handballs, 1915 ins Leben gerufen. Im Spiel war jeglicher körperlicher Kontakt verboten. Der Ball konnte nur im Flug oder bei Fehlpässen errungen werden. Zwei Jahre später erfolgte die Umbenennung in Handball, sowie die offizielle Festlegung des verfeinerten Regelwerks.

 

Der Weg zur internationalen Anerkennung

1919 war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Handballs. Der Leichtathlet und Sportlehrer entwickelte die Regeln für die Männer und verkleinerte die Ballgröße, so dass das Spiel deutlich schneller wurde. Mit dem Einschluss der Männer vergrößerte sich die Fangemeinde. Die ersten Mannschaften mit klaren Strukturen bildeten sich. Dem folgte 1921 die erste deutsche Meisterschaft.

Zehn Jahre später hatte Handball bereits die deutschen Grenzen überschritten. Der erste internationale Handballverband wurde anlässlich der Olympischen Spiele von 1928 gegründet, der für die Vereinheitlichung des Regelwerkes sorgte. Doch der wahre Ausbruch des Sportes erfolgte erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurden viele Institutionen und Veranstaltungen neuorganisiert. So wurde 1949 der Deutsche Handballbund gegründet, das erfolgreich die Vereine unter einen Schirm brachte. Die Weltmeisterschaft dagegen wurde zu einem festen Ereignis, das nun alle vier Jahre stattfand. Neben dem deutschsprachigen Raum erreichte Handball auch in  Frankreich, Schweden und auf der iberischen Halbinsel hohe Popularität. Dennoch wurde die erste Europameisterschaft 1994 mit Portugal als Gastgeber organisiert. Außerhalb Europas wurde das schnelle Ballspiel nur begrenzt praktiziert, was sich bis heute kaum geändert hat.

 

Die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft

Die deutsche Nationalmannschaft zählte in internationalen Turnieren schon immer zu den favorisierten Teams. Dennoch wurde die Mannschaft, nach der Reorganisation des Handballs in den 50er Jahren, erst in 1978 die Nummer Eins in der Weltmeisterschaft. Das Finalspiel wurde gegen die Sowjetunion, die in diesem Turnier in einer überragenden körperlichen Verfassung war, gespielt. Doch die deutsche Mannschaft konnte bis zur letzten Sekunde dem russischen Ansturm standhalten und machte den Traum des Titelgewinns mit einem knappen Sieg von 20:19 wahr. Der spannende Verlauf des Turniers sorgte dafür, dass der deutsche Handball einen großen Zuwachs an Fans erreichte.

Einen ähnlichen Hype erlebte die Mannschaft in der Weltmeisterschaft von 2007. Wie im „Sommermärchen“ von 2006 war Deutschland der Gastgeber. Das deutsche Fußballteam hatte zum vierten Mal den Weltmeistertitel gewonnen und Handballfans hofften auf die Wiederholung der Ereignisse. Die Mannschaft spielte das Finale gegen Polen und besiegte sein Gegner mit einem seriösen 29:24. Das „Wintermärchen“ von 2007 wurde später unter dem Namen „Projekt Gold“ in Form eines Dokumentarfilms veröffentlicht.

Das deutsche Handballteam zählt auch in Europameisterschaften und Olympischen Spielen zu den Favoriten. Neben Titelgewinne sind Zweit- und Drittplatzierungen keine Seltenheit. Diese Erfolge erklären den hohen Popularitätsgrad des Handballs in Deutschland. Aber nicht nur der Erfolg, sondern auch tiefe geschichtliche Wurzeln trugen ihren Teil zu der Beliebtheit auf dem deutschen Boden bei.